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KI-Praktikum am Forschungsinstitut: Wie dieser Weg funktioniert

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Fraunhofer, Max-Planck, Helmholtz, Universitätslehrstühle und das DFKI vergeben Praktika im KI-Bereich. Was dort anders läuft als in der Wirtschaft und wie man sich bewirbt.

KI-Praktikum am Forschungsinstitut: Wie dieser Weg funktioniert

Neben den Unternehmen gibt es einen zweiten, deutlich stilleren Markt für KI-Praktika: die Forschungseinrichtungen. Sie schreiben weniger aus, werben kaum und zahlen meist schlechter. Trotzdem ist dieser Weg für einen Teil der Studierenden der bessere - und für einen anderen Teil eine Enttäuschung. Der Unterschied liegt darin, was man von den Monaten erwartet.

Die Landschaft in Deutschland

Die Einrichtungen unterscheiden sich vor allem darin, wie weit sie von einer Anwendung entfernt arbeiten.

Die Fraunhofer-Gesellschaft steht am anwendungsnahen Ende. Ihre Institute arbeiten in großen Teilen für Auftraggeber aus der Industrie, entsprechend konkret sind die Fragestellungen. Für maschinelles Lernen ist das Institut in Sankt Augustin bei Bonn die bekannteste Adresse - es arbeitet seit langem an Datenanalyse und lernenden Systemen und taucht in Suchanfragen von Studierenden häufiger auf als jede andere Forschungseinrichtung. Daneben beschäftigen sich zahlreiche weitere Fraunhofer-Institute mit KI, meist eingebettet in ihr jeweiliges Fachgebiet: Produktion, Materialprüfung, Medizintechnik, Kommunikation. Wer eine Anwendungsdomäne im Kopf hat, sucht besser über das Fachgebiet als über das Stichwort KI.

Max-Planck-Institute liegen am anderen Ende. Dort wird Grundlagenforschung betrieben, die Nähe zur internationalen Wissenschaftsgemeinschaft ist groß, die Arbeitssprache häufig Englisch. Themen sind entsprechend abstrakter, und die Erwartung an mathematische Vorkenntnisse ist höher.

Helmholtz-Zentren sind große Einrichtungen mit eigenem Forschungsauftrag - Gesundheit, Energie, Umwelt, Materialien. KI ist dort meist Werkzeug für eine wissenschaftliche Frage, nicht Selbstzweck. Wer Interesse an einer bestimmten Domäne mitbringt, findet hier ungewöhnlich gut ausgestattete Umgebungen.

Universitätslehrstühle mit Drittmittelprojekten sind der größte und unübersichtlichste Teil. Fast jede technische Hochschule hat Arbeitsgruppen, die an geförderten Projekten arbeiten und dafür Hilfskräfte und Praktikanten einsetzen. Der Weg dorthin ist kurz, wenn du ohnehin dort studierst, und ist meistens der einfachste erste Kontakt zur Forschung überhaupt.

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz ist die einzige große Einrichtung, die sich vollständig diesem Thema widmet. Es ist an mehreren Standorten vertreten und arbeitet in Forschungsbereichen, die unterschiedliche Teilgebiete abdecken - von Sprachverarbeitung über Bildverstehen bis zu robotiknahen Themen.

Zu allen genannten Einrichtungen gilt: Wie ein Praktikum dort im Einzelnen aussieht, entscheidet nicht die Dachorganisation, sondern die Arbeitsgruppe. Zwei Praktika im selben Institut können sich stärker unterscheiden als eines im Institut und eines in einem Unternehmen.

Was gegenüber der Wirtschaft anders ist

Forschungseinrichtung Unternehmen
Themenzuschnitt eng, tief, eine Frage breiter, an einem Produkt
Zeithorizont Monate bis Jahre Wochen bis Quartale
Ergebnis Paper, Prototyp, Messreihe funktionierende Software
Betreuung meist durch Doktoranden durch Teammitglieder oder Vorgesetzte
Vergütung in der Regel niedriger in der Regel höher
Anschluss Abschlussarbeit, Promotion Werkstudium, Übernahme

Themenzuschnitt. In der Forschung bekommst du eine schmale Frage und viel Zeit dafür. Das ist angenehm, wenn dich die Frage interessiert, und zäh, wenn nicht. In einem Produktteam wechseln die Aufgaben häufiger.

Zeithorizont. Forschungsprojekte laufen über Jahre. Dein Praktikum ist ein Ausschnitt daraus, und dieser Ausschnitt endet selten mit einem sichtbaren Ergebnis. Wer nach drei Monaten etwas vorzeigen möchte, das läuft, sollte das zu Beginn ansprechen und einen Teil des Themas so zuschneiden lassen.

Publikationsmöglichkeit. Der größte Unterschied und für manche der entscheidende. Wenn deine Arbeit in eine Veröffentlichung eingeht, hast du einen Beleg, den kein Praktikumszeugnis erreicht. Rechne nur nicht damit als Regelfall - es hängt vom Projektstand ab, und drei Monate sind für einen eigenen Beitrag knapp. Frage im Gespräch, ob es realistisch wäre, statt es zu erwarten.

Betreuung durch Doktoranden. Deine tägliche Ansprechperson ist meist jemand, der selbst promoviert. Das ist häufig eine sehr gute Betreuung, weil die Person fachlich nah dran ist und dieselbe Umgebung benutzt. Es ist aber auch eine Person unter Zeitdruck mit eigener Arbeit. Frag früh, wie oft ihr sprecht, und halte diese Termine.

Vergütung. Erfahrungsgemäß liegt sie unter dem, was Unternehmen zahlen, oft deutlich. Bei Pflichtpraktika ist eine geringe oder keine Vergütung verbreitet, weil der gesetzliche Mindestlohn dort nicht greift - die Regeln dazu stehen im Beitrag zur Vergütung von KI-Praktika und dem Mindestlohn. Kläre das vor der Zusage schriftlich, nicht danach.

Übergang. Der Weg ins Institut ist selten eine Sackgasse. Aus einem Praktikum wird häufig eine Hilfskraftstelle, daraus eine Abschlussarbeit und daraus manchmal eine Promotionsstelle. Diese Kette ist der eigentliche Grund, warum sich der Weg lohnen kann - wie sie sich zu den Wegen in der Wirtschaft verhält, zeigt der Vergleich von Praktikum, Werkstudium und Abschlussarbeit.

Der Alltag. Er ist ruhiger und unstrukturierter als im Unternehmen. Es gibt seltener feste Abstimmungen, dafür Kolloquien und Gruppenseminare, in denen laufende Arbeiten vorgestellt werden. Du bekommst Zugang zu Rechenressourcen, die an Hochschulen sonst schwer zu bekommen sind, und arbeitest häufig in Umgebungen, die eher auf Experimente als auf Betrieb ausgelegt sind. Wer aus einem Softwareprojekt kommt, wird sich an manchen Stellen über den Zustand des Codes wundern - das ist kein Versehen, sondern eine andere Priorität.

Wie man sich dort bewirbt

Der wichtigste Unterschied im Verfahren: Es läuft oft nicht über ein Portal. Zwar haben die großen Einrichtungen Stellenportale, und dort stehen auch Praktika - der übliche Weg führt aber über die direkte Ansprache einer Arbeitsgruppe.

Praktisch heißt das:

  1. Themen suchen, nicht Stellen. Sieh dir die Seiten der Forschungsgruppen an, lies zwei, drei Veröffentlichungen aus dem letzten Jahr im Überblick, und entscheide, welche Richtung dich interessiert.
  2. Die richtige Person finden. Angeschrieben wird meist die Gruppenleitung oder ein Doktorand, dessen Thema zu dir passt. Beide Adressen stehen in der Regel auf der Gruppenseite.
  3. Kurz schreiben. Eine knappe Mail mit Lebenslauf im Anhang. Was hineingehört, unterscheidet sich vom klassischen Anschreiben: weniger Motivation, mehr Inhalt.
  4. Nachfassen. Nach zwei bis drei Wochen eine freundliche Erinnerung. In der Forschung geht Post unter, ohne dass es eine Absage bedeutet.

Ins Anschreiben gehören vier Dinge: welche Vorlesungen und Methoden du sicher beherrschst, was du selbst gebaut hast, welches Thema der Gruppe dich interessiert und warum, sowie Zeitraum und Dauer. Der letzte Punkt wird am häufigsten vergessen und ist der, der über eine Rückfrage entscheidet. Der Aufbau aus dem Leitfaden zum Anschreiben trägt auch hier, nur mit anderer Gewichtung: Der fachliche Absatz wird länger, der Motivationsabsatz kürzer.

Erwähne konkret, welche Methode oder welches Paper der Gruppe du gelesen hast. Das ist der einzige Satz, der zeigt, dass die Mail nicht an dreißig Adressen gleichzeitig ging - und in der Forschung wird genau darauf geachtet.

Für wen sich der Weg lohnt

Er lohnt sich, wenn dich eine Frage mehr interessiert als ein Produkt, wenn du eine Promotion zumindest für möglich hältst, wenn du selbstständig arbeitest und mit langen Phasen ohne sichtbares Ergebnis umgehen kannst. Auch für den Übergang in Rollen wie den KI Research Engineer ist der Weg der naheliegende, weil dort Publikationen und methodische Tiefe zählen.

Er lohnt sich nicht, wenn du hauptsächlich Praxiserfahrung für den Lebenslauf suchst, wenn dir die Vergütung wichtig ist, wenn du wissen willst, wie Software in Betrieb geht, oder wenn du dich zwischen Anwendungsfeldern noch nicht entschieden hast. Für all das ist ein Unternehmen der bessere Ort - und die Erfahrung dort lässt sich später mit einer Abschlussarbeit am Institut ergänzen.

Wer beides vergleichen will, sucht am besten parallel: Institutsgruppen direkt anschreiben und gleichzeitig die ausgeschriebenen KI-Praktika durchsehen. Wie man dabei systematisch vorgeht, beschreibt der Beitrag zum Finden eines Machine-Learning-Praktikums. Welche Rollen sich an die Forschung anschließen, zeigt das Berufsfeld Machine Learning - vom Machine Learning Engineer bis in stärker anwendungsnahe Tätigkeiten. Weitere Beiträge rund um Praktika sammelt die Kategorie Praktikum.

Worauf es hinausläuft

Ein Praktikum am Forschungsinstitut kauft dir Tiefe und kostet dich Geld und Sichtbarkeit. Wer die Tiefe will und die Kette bis zur Abschlussarbeit im Blick hat, macht damit nichts falsch. Wer schnell einen belastbaren Praxisnachweis braucht, ist woanders besser aufgehoben.

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