Gehalt & Vergütung

Was KI-Praktika zahlen - und wann der Mindestlohn gilt

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Zwischen 0 und 3.000 Euro ist alles dabei. Woran das liegt, welche Regeln gelten und wie du beim Thema Geld verhandelst, ohne dich zu verkaufen.

Die Spanne bei KI-Praktika ist größer als in fast jedem anderen Bereich. Dieselbe Tätigkeit wird an einem Ort mit 800 Euro vergütet und am anderen mit 2.800. Das liegt weniger an der Arbeit als an drei Faktoren, die man kennen sollte, bevor man verhandelt.

Die drei Faktoren

Die Rechtsform des Praktikums. Ob Pflicht oder freiwillig entscheidet darüber, ob überhaupt etwas gezahlt werden muss. Dazu unten mehr - es ist der wichtigste Punkt.

Die Unternehmensgröße. Große Technologieunternehmen und Konzerne haben feste Praktikantensätze, oft tariflich hinterlegt. Kleine Unternehmen und Forschungseinrichtungen zahlen deutlich weniger, weil sie es nicht anders können.

Die Branche. Automobilindustrie, Pharma und Finanzwesen zahlen im Schnitt am besten. Agenturen, Vereine und der öffentliche Bereich am wenigsten. Der Unterschied kann das Doppelte betragen.

Übliche Größenordnungen

Als Orientierung für ein Vollzeitpraktikum im KI-Bereich in Deutschland:

  • Konzern mit Tarifbindung: 1.900 bis 2.400 Euro brutto im Monat
  • Größeres Technologieunternehmen: 2.000 bis 3.000 Euro
  • Mittelständisches Unternehmen: 1.300 bis 1.800 Euro
  • Start-up: 1.000 bis 1.800 Euro, stark schwankend
  • Forschungsinstitut oder Hochschule: 700 bis 1.400 Euro
  • Werkstudentenstelle: 15 bis 22 Euro je Stunde

Diese Zahlen sind Orientierungswerte aus Stellenanzeigen und Erfahrungsberichten, keine Erhebung. Für Praktika gibt es keine amtliche Statistik.

Wann der Mindestlohn gilt

Hier entscheidet sich, ob überhaupt gezahlt werden muss. Das Mindestlohngesetz nimmt bestimmte Praktika ausdrücklich aus.

Kein Anspruch auf Mindestlohn besteht bei:

  • einem Pflichtpraktikum, das in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben ist - unabhängig von der Dauer
  • einem freiwilligen Praktikum zur Orientierung vor Studium oder Ausbildung, bis zu drei Monate
  • einem freiwilligen Praktikum begleitend zum Studium, bis zu drei Monate, sofern nicht schon zuvor ein solches Praktikum bei demselben Unternehmen bestand

Anspruch auf Mindestlohn besteht:

  • bei jedem freiwilligen Praktikum, das länger als drei Monate dauert - und zwar ab dem ersten Tag, nicht erst ab dem vierten Monat

Der letzte Punkt wird oft missverstanden. Wer ein freiwilliges Praktikum von vier Monaten macht, hat für die gesamten vier Monate Anspruch auf den Mindestlohn, nicht nur für den letzten.

Das erklärt auch eine Beobachtung, die viele machen: Freiwillige Praktika werden auffällig oft mit genau drei Monaten ausgeschrieben. Das ist kein Zufall.

Warum Pflichtpraktika trotzdem oft gut bezahlt werden

Obwohl bei Pflichtpraktika nichts gezahlt werden müsste, zahlen viele Unternehmen freiwillig - und im KI-Bereich sogar recht ordentlich. Der Grund ist einfach: Sie konkurrieren um dieselben Leute. Wer gute Studierende halten und später einstellen will, kann sie nicht unbezahlt arbeiten lassen, während der Wettbewerber 2.200 Euro zahlt.

Das ist deine Verhandlungsposition, und sie ist besser, als viele annehmen.

Was neben dem Geld zählt

Bei der Bewertung eines Angebots lohnt sich ein Blick auf mehr als die Zahl:

Fahrtkosten und Wohnen. Manche Unternehmen zahlen ein Jobticket oder stellen Wohnraum. Bei einem Praktikum in einer teuren Stadt kann das mehr wert sein als 300 Euro mehr im Monat.

Homeoffice-Anteil. Zwei Tage von zu Hause sparen Fahrtzeit und -kosten und erlauben, den Wohnort zu behalten.

Urlaubsanspruch. Praktikanten haben bei einem Arbeitsverhältnis Anspruch auf anteiligen Urlaub. Bei Pflichtpraktika ist die Rechtslage komplizierter - frag nach und lass es dir schriftlich geben.

Übernahmeperspektive. Ein Praktikum, aus dem regelmäßig Werkstudentenstellen entstehen, ist mittelfristig deutlich mehr wert als 400 Euro Unterschied.

Betreuung. Der wichtigste und am schwersten messbare Punkt. Ein Praktikum mit einer festen Ansprechperson und einem klaren Projekt ist unbezahlbar gegenüber einem, in dem man sich selbst beschäftigen muss.

Wie du über Geld sprichst

Bei ausgeschriebenen Praktika mit festem Satz gibt es meist keinen Spielraum - Konzerne haben Sätze, die nicht individuell verhandelt werden. Ein Versuch schadet nicht, führt aber selten zu etwas.

Spielraum gibt es bei kleineren Unternehmen und bei Initiativbewerbungen. Dort gilt:

Frag nicht zuerst. Lass das Unternehmen die Zahl nennen. Wer als Erster eine Zahl in den Raum stellt, verankert sie - und Praktikanten setzen sich dabei meist zu niedrig an.

Argumentiere mit dem, was du mitbringst. Nicht "ich brauche X", sondern "ich bringe Erfahrung mit Y mit und kann von der ersten Woche an an Z arbeiten".

Nenne eine Spanne, keine Zahl. "Ich hatte an 1.600 bis 1.900 Euro gedacht" lässt Bewegung, ohne beliebig zu wirken.

Frag nach den anderen Punkten. Wenn beim Geld nichts geht, ist beim Jobticket, bei Homeoffice-Tagen oder beim Zeitraum oft Bewegung.

Ein unbezahltes Praktikum - wann ist das vertretbar?

Selten, aber es gibt Fälle. Ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum an einem Forschungsinstitut, das dich in ein Thema bringt, ist etwas anderes als ein halbes Jahr Vollzeitarbeit ohne Bezahlung.

Die Faustregel: Wenn du produktiv mitarbeitest und dadurch Wert schaffst, gehört das vergütet. Wenn du überwiegend zusiehst und lernst, ist eine geringe oder keine Vergütung vertretbar.

Bei einem freiwilligen Praktikum über drei Monate ist die Frage ohnehin geklärt - dort ist der Mindestlohn Gesetz und keine Verhandlungssache.

Nach dem Praktikum

Die Zahlen für den Berufseinstieg liegen deutlich höher. Je nach Rolle bewegt sich das Einstiegsgehalt in KI-Berufen zwischen 4.100 und 5.400 Euro brutto im Monat, mit zwei bis drei Jahren Erfahrung zwischen 4.500 und 7.800 Euro. Die Profile in unserer Übersicht der KI-Berufe nennen für jede Rolle konkrete Werte.

Wer im Praktikum gut war, verhandelt beim Einstieg von einer starken Position aus - besonders im selben Unternehmen, weil dort niemand mehr raten muss, was du kannst.

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