Praktikum

Praktikum, Werkstudium oder Abschlussarbeit: Was passt wann?

4 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Drei Wege in ein KI-Team, mit sehr unterschiedlichen Folgen für Zeit, Geld und das, was du am Ende vorzuweisen hast.

Wer im Studium in ein KI-Team möchte, hat drei Wege. Sie sehen von außen ähnlich aus und unterscheiden sich in fast allem: in der Dauer, im Geld, in den Aufgaben und darin, was am Ende bleibt.

Das Praktikum

Ein Praktikum dauert typischerweise drei bis sechs Monate in Vollzeit. Du bist mitten im Team, hast ein eigenes Thema und arbeitest wie alle anderen mit.

Wofür es sich eignet: um herauszufinden, ob dir die Arbeit liegt. Drei Monate Vollzeit sind genug, um ein Projekt von Anfang bis Ende zu begleiten und den Alltag kennenzulernen - inklusive der Teile, die in keiner Stellenanzeige stehen.

Der wichtigste Unterschied: ob es ein Pflichtpraktikum ist. Steht es in deiner Studienordnung, gilt der gesetzliche Mindestlohn nicht, und meist entfallen Sozialversicherungsbeiträge. Bei einem freiwilligen Praktikum über drei Monate gilt der Mindestlohn dagegen sehr wohl. Das erklärt, warum manche Unternehmen ausdrücklich nur Pflichtpraktika anbieten - und warum die Frage in jeder Bewerbung geklärt sein sollte.

Typische Vergütung: zwischen 1.400 und 2.000 Euro brutto im Monat. Große Technologieunternehmen zahlen deutlich mehr, kleine Firmen und Forschungseinrichtungen oft weniger.

Der Nachteil: ein Semester ohne Vorlesungen. Wer das nicht als Praxissemester eingeplant hat, verlängert damit meist sein Studium.

Das Werkstudium

Eine Werkstudentenstelle läuft neben dem Studium, üblicherweise mit 15 bis 20 Stunden pro Woche, dafür über ein bis zwei Jahre.

Wofür es sich eignet: um über längere Zeit in einem Team mitzuwachsen. Der Unterschied zum Praktikum ist qualitativ: Nach einem Jahr bist du kein Gast mehr, sondern jemand, der die Systeme kennt und dem echte Verantwortung übertragen wird.

Der große Vorteil: die Anschlussmöglichkeit. Ein sehr großer Teil der Berufseinsteiger in KI-Teams kommt aus dem eigenen Werkstudentenkreis. Das Unternehmen kennt dich über Monate, das Risiko einer Fehlbesetzung ist gering - entsprechend bereitwillig werden Angebote gemacht.

Typische Vergütung: 15 bis 22 Euro pro Stunde, bei 20 Wochenstunden also ungefähr 1.300 bis 1.900 Euro brutto im Monat. Sozialversicherungsrechtlich gilt bei bis zu 20 Wochenstunden während der Vorlesungszeit das Werkstudentenprivileg, wodurch nur Rentenversicherungsbeiträge anfallen.

Der Nachteil: Es zieht sich. Zwanzig Stunden neben einem Vollzeitstudium sind machbar, aber in Klausurphasen unangenehm. Und weil du nie ganze Tage am Stück da bist, dauern Aufgaben länger, die im Praktikum in einer Woche erledigt wären.

Die Abschlussarbeit im Unternehmen

Eine Bachelor- oder Masterarbeit, betreut von Hochschule und Unternehmen gemeinsam, meist über vier bis sechs Monate.

Wofür es sich eignet: um in ein Thema wirklich hineinzukommen. Keine andere Form gibt dir so viel zusammenhängende Zeit für eine einzige Frage. Wer in Richtung Forschung oder Spezialisierung will, findet hier die besten Bedingungen.

Was oft unterschätzt wird: Du hast zwei Auftraggeber mit unterschiedlichen Interessen. Die Hochschule will einen methodisch sauberen Beitrag, das Unternehmen ein brauchbares Ergebnis. Das lässt sich vereinbaren, aber es muss zu Beginn besprochen werden - sonst schreibst du am Ende zwei Arbeiten.

Typische Vergütung: sehr unterschiedlich. Manche Unternehmen zahlen wie ein Praktikum, andere eine Pauschale von wenigen hundert Euro, manche gar nichts. Frag früh und konkret.

Der Vorteil, den viele übersehen: Am Ende hast du ein Dokument, das deine Arbeit vollständig beschreibt. Bei Bewerbungen ist das ein Beleg, den kein Praktikumszeugnis erreicht.

Was wann sinnvoll ist

Frühes Studium, keine Erfahrung: Praktikum. Es ist der einfachste Einstieg, weil weniger vorausgesetzt wird und die Betreuung enger ist.

Mitte des Studiums, du weißt schon, was dich interessiert: Werkstudium. Der lange Zeitraum zahlt sich aus, und die Chance auf ein Übernahmeangebot ist die höchste von allen drei Wegen.

Ende des Studiums, ein Thema im Blick: Abschlussarbeit. Du bekommst Tiefe und ein vorzeigbares Ergebnis - und in vielen Fällen einen Vertrag hinterher.

Du willst mehrere Unternehmen kennenlernen: zwei Praktika in unterschiedlichen Häusern. Ein Konzern und ein Start-up unterscheiden sich in der Arbeitsweise so stark, dass die Erfahrung beider mehr wert ist als doppelte Zeit an einem Ort.

Der Übergang zwischen den Formen

In der Praxis gehen die Wege ineinander über, und das ist oft die beste Variante: Ein Praktikum, das in eine Werkstudentenstelle mündet, danach die Abschlussarbeit im selben Team, dann der Einstieg. Wer diesen Weg geht, kennt am Ende die Systeme, die Menschen und die Abläufe - und beginnt seine erste Stelle mit einem Vorsprung von einem Jahr.

Es lohnt sich deshalb, dieses Ziel früh anzusprechen. Die Frage "Gibt es hier die Möglichkeit, danach als Werkstudent weiterzumachen?" wird im Praktikum gern gehört. Sie signalisiert Interesse und kostet nichts.

Die eine Frage, die du vorher klären solltest

Unabhängig von der Form: Frag im Gespräch, an welchem Projekt du in den ersten Wochen arbeiten würdest.

Wenn darauf keine konkrete Antwort kommt, ist das ein Warnsignal. Teams, die sich vorbereitet haben, wissen es. Teams, die Praktikanten nehmen, weil gerade Budget da ist, wissen es nicht - und dort verbringt man die ersten sechs Wochen mit Warten.

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