Gehalt & Vergütung

Gehalt nach dem Data-Science-Studium: Was realistisch ist

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Vom Praktikum bis zu den ersten Jahren im Beruf - übliche Spannen, die Faktoren, die stärker wirken als der Abschluss, und was sich in der ersten Verhandlung wirklich bewegen lässt.

Gehalt nach dem Data-Science-Studium: Was realistisch ist

Das Gehalt nach einem Data-Science-Studium wird gern als eine Zahl gehandelt. In der Praxis ist es eine Spanne, und ihre Breite überrascht die meisten: Zwischen dem unteren und dem oberen Ende liegen beim Berufseinstieg leicht 20.000 Euro im Jahr - bei gleichem Abschluss, gleicher Note und gleichem Jahrgang. Die Frage ist deshalb weniger, was man verdient, als wovon es abhängt.

Die Staffelung im Überblick

Alle folgenden Werte sind Bruttoangaben für Deutschland und Erfahrungswerte aus Ausschreibungen und Berichten, keine Erhebung. Regionale und branchenbedingte Ausreißer nach oben und unten gibt es in beide Richtungen.

Stufe Übliche Spanne Bezug
Praktikum in Vollzeit 1.300 bis 2.400 Euro je Monat
Werkstudentenstelle 15 bis 23 Euro je Stunde
Einstieg mit Bachelor 42.000 bis 55.000 Euro je Jahr
Einstieg mit Master 48.000 bis 65.000 Euro je Jahr
Nach zwei bis drei Jahren 58.000 bis 78.000 Euro je Jahr

Zwei Hinweise zur Lesart. Erstens ist das Jahresgehalt nicht überall gleich aufgebaut: Manche Häuser zahlen zwölf Monatsgehälter plus einen variablen Anteil, andere dreizehn oder vierzehn Gehälter ohne Bonus. Vergleiche immer die Jahressumme. Zweitens gilt bei den Praktikumszahlen eine eigene Rechtslage, die darüber entscheidet, ob überhaupt gezahlt werden muss - der Beitrag zur Vergütung im KI-Praktikum geht die Regeln für Pflicht- und freiwillige Praktika im Einzelnen durch.

Was stärker wirkt als der Abschluss

Vier Faktoren erklären zusammen mehr von der Spanne als Studiengang und Note zusammen.

Die Branche. Finanzwesen, Pharma, Automobil und Industriekonzerne zahlen im Schnitt am besten. Handel, Medien, Agenturen, Vereine und der öffentliche Bereich liegen darunter, teils erheblich. Derselbe Mensch mit denselben Fähigkeiten kann sich allein über die Branchenwahl um ein Fünftel unterscheiden - und zahlt dafür an anderer Stelle, etwa mit Regulierungsaufwand oder langsameren Abläufen.

Die Unternehmensgröße. Große Häuser haben feste Einstiegsstufen. Das bedeutet ein solides Niveau ohne Verhandlungsspielraum. Kleine Unternehmen zahlen im Mittel weniger, streuen dafür stärker - und dort ist Verhandlung möglich. Softwarehäuser mit eigenem Produkt liegen für technische Profile oft über dem Durchschnitt ihrer Größenklasse.

Die Region. München, Frankfurt, Stuttgart und Hamburg liegen spürbar über strukturschwächeren Regionen; der Abstand beträgt beim Einstieg häufig 10 bis 15 Prozent. Ein Teil davon ist keine echte Verbesserung, sondern Ausgleich für Mieten. Rechne bei einem Angebot immer die Wohnkosten gegen.

Die Tarifbindung. Wo ein Tarifvertrag gilt, ist die Einstufung festgelegt und meist ordentlich, oft mit kürzerer Arbeitszeit und automatischen Stufen. Der Einstieg ist dann kaum verhandelbar, die Entwicklung in den ersten Jahren aber planbar. In der Metall- und Elektroindustrie führt das dazu, dass Einsteiger dort häufig über dem liegen, was ein nicht tarifgebundenes Unternehmen derselben Größe zahlt.

Und vor allem: einschlägige Praxis aus dem Studium. Das ist der Faktor, den du selbst beeinflusst. Zwei relevante Praktika oder ein Jahr als Werkstudent verschieben das erste Angebot erfahrungsgemäß deutlicher als eine bessere Note. Der Grund ist nüchtern: Praxis senkt das Risiko einer Fehlbesetzung, und dafür zahlen Unternehmen. Welche Form sich wann eignet, vergleicht der Beitrag Praktikum, Werkstudium oder Abschlussarbeit.

Warum sich ein Master hier häufiger rechnet

In vielen Fächern ist der Master eine Frage der Neigung, und der Gehaltsunterschied holt die zwei Jahre ohne volles Einkommen selten ein. In der Datenfachrichtung liegt der Fall etwas anders, aus drei Gründen.

Erstens öffnet er Türen, die sonst verschlossen bleiben. Ein Teil der Stellen in Forschung und Entwicklung, in der Modellierung und in stark regulierten Bereichen setzt einen Master formal voraus. Das ist nicht immer fachlich begründet, wirkt aber als Filter in der Vorauswahl.

Zweitens ist der Abstand beim Einstiegsgehalt größer als in vielen anderen Fächern, und er verschwindet nicht sofort: Die Einstufung zu Beginn wirkt über die ersten Jahre nach, weil Erhöhungen prozentual auf den Ausgangswert aufsetzen.

Drittens lassen sich die zusätzlichen Jahre gut nutzen. Ein Master mit Werkstudentenstelle und einer Abschlussarbeit im Unternehmen erzeugt genau die einschlägige Praxis, die den größten Einzelfaktor ausmacht - und endet häufig mit einem Angebot aus demselben Haus.

Umgekehrt gilt: Ein Master ohne Praxisbezug, drei Jahre nach Plan durchgezogen, bringt weniger als ein Bachelor mit zwei ordentlichen Praktika. Der Abschluss allein trägt die Zahl nicht.

Die Rolle macht einen Unterschied

Data Science ist ein Studiengang, aber kein Berufsbild. Wohin du im Unternehmen gehst, wirkt auf die Vergütung.

Rollen mit hohem Auswertungs- und Berichtsanteil, wie sie die Profilseite zum Data Analyst beschreibt, liegen beim Einstieg meist am unteren Rand der genannten Spannen. Modellierende Rollen liegen in der Mitte - was dort tatsächlich getan wird, beschreibt der Beitrag über die Aufgaben eines Data Scientist, die Rolle selbst die Profilseite zum Data Scientist. Stark technische Rollen mit Verantwortung für den Betrieb, etwa als Machine Learning Engineer, liegen im Schnitt am oberen Rand, weil dort Softwareentwicklung und Modellarbeit zusammenkommen.

Ein Sonderfall sind Rollen, deren Bezeichnung schwankt und die deshalb schwer einzuordnen sind. Wie sich das auf die Vergütung auswirkt, lässt sich am Beispiel im Beitrag zum Gehalt im Prompt Engineering gut nachvollziehen. Ein Blick in den Katalog der KI-Rollen hilft, die eigene Zielrichtung vor der ersten Bewerbung zu schärfen - die Wahl der Rolle entscheidet mehr als die Wahl des Arbeitgebers.

Was nach zwei bis drei Jahren passiert

Der größte Sprung in einem Berufsleben liegt selten beim Einstieg, sondern beim ersten Wechsel danach. Nach zwei bis drei Jahren bist du keine Wette mehr: Du hast etwas in Betrieb gebracht, kennst ein Fachgebiet und brauchst keine sechs Monate Einarbeitung. Erfahrungsgemäß liegt der Zuwachs bei einem Wechsel in dieser Phase spürbar über dem, was interne Erhöhungen im selben Zeitraum bringen - was nicht heißt, dass ein Wechsel immer die bessere Entscheidung ist.

Zwei Dinge sprechen dagegen, allein der Zahl zu folgen. Erstens ist Verantwortung schwerer zu bekommen als Gehalt: Wer im eigenen Haus gerade in ein Thema hineinwächst, gibt diesen Vorsprung bei einem Wechsel ab. Zweitens ist die Entwicklung über fünf Jahre stärker davon abhängig, ob du Themen führen kannst, als von zwei Wechseln in kurzer Folge. Ein Arbeitgeberwechsel nach zwei Jahren ist üblich und unproblematisch, drei in vier Jahren erklärungsbedürftig.

Wer bleibt, sollte die Erhöhung aktiv ansprechen. Sie kommt in den meisten Häusern nicht von selbst, sondern nach einem Gespräch, in dem jemand konkret benennt, was sich seit dem Einstieg an seiner Arbeit verändert hat.

Was in der ersten Verhandlung möglich ist

Realistisch bewegt sich beim Berufseinstieg ein Bereich von etwa 5 bis 10 Prozent, wenn keine feste Einstiegsstufe gilt. Bei Tarifbindung oder festen Sätzen großer Häuser eher nichts - dort verhandelt man die Stufe, nicht das Gehalt.

Was hilft:

Eine Spanne nennen, keine Zahl. "Ich hatte an 52.000 bis 57.000 gedacht" lässt Bewegung und wirkt vorbereitet.

Die Zahl begründen, ohne den eigenen Bedarf zu erwähnen. Nicht was du brauchst, sondern was du mitbringst: ein Jahr Werkstudent im selben Themenfeld, ein Projekt, das in Betrieb ging, ein Verfahren, das du selbst ausgewertet hast.

Nicht zuerst nennen, wenn es sich vermeiden lässt. Wer die erste Zahl setzt, verankert sie - und Einsteiger setzen sich dabei meist zu niedrig an.

Die anderen Bestandteile mitverhandeln. Wenn beim Grundgehalt nichts geht, sind es oft der Urlaubsanspruch, ein Weiterbildungsbudget, Homeoffice-Tage, das Startdatum oder eine vereinbarte Überprüfung nach sechs Monaten. Letztere ist der unterschätzte Punkt: Eine schriftlich festgehaltene Gehaltsüberprüfung nach einem halben Jahr ist häufiger zu bekommen als 3.000 Euro mehr sofort.

Kein Angebot annehmen, bevor die Jahressumme klar ist. Frag nach Anzahl der Gehälter, variablem Anteil, Wochenarbeitszeit und Urlaubstagen. Zwei Angebote lassen sich erst dann vergleichen.

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Worauf es hinausläuft

Der Abschluss bringt dich in die Spanne, aber nicht an ihr oberes Ende. Dorthin bringen dich Branche, Rolle und vor allem die Praxis, die du dir während des Studiums verschafft hast - und beim ersten Angebot die Bereitschaft, nach der Jahressumme zu fragen und eine begründete Spanne zu nennen.

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