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Bewerbung für ein KI-Praktikum: Was wirklich hineingehört

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Lebenslauf, Anschreiben, Notenauszug, GitHub-Link - und was davon wirklich gelesen wird. So stellst du eine Bewerbung zusammen, die es durch die erste Sichtung schafft.

Eine Bewerbung für ein KI-Praktikum ist etwas anderes als eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz. Nicht, weil sie förmlicher wäre - eher im Gegenteil. Sondern weil auf der anderen Seite oft jemand sitzt, der selbst entwickelt, wenig Zeit hat und in zwei Minuten entscheidet, ob er weiterliest. Diese zwei Minuten kannst du gestalten.

Wer deine Bewerbung tatsächlich liest

Bei großen Unternehmen läuft die erste Sichtung über die Personalabteilung. Dort wird auf Formales geachtet: Studienfach, Semester, Zeitraum, ob ein Pflichtpraktikum vorliegt. Kommt die Bewerbung durch, landet sie beim Fachbereich - und dort schaut sich jemand an, was du gebaut hast.

Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz: Deine Bewerbung muss zwei verschiedene Prüfungen bestehen. Die erste ist bürokratisch, die zweite fachlich. Wer nur an die fachliche denkt, scheitert manchmal schon am Zeitraum, den er nirgends angegeben hat.

Die vier Bestandteile

Für praktisch jedes KI-Praktikum brauchst du:

  • Lebenslauf - eine Seite, tabellarisch, mit einem eigenen Abschnitt für Projekte
  • Anschreiben - eine halbe bis eine Seite, kein Roman
  • Notenauszug - der aktuelle Leistungsnachweis aus dem Studium
  • Links - GitHub, ein Portfolio oder eine Projektseite

Alles Weitere ist optional. Ein Deckblatt braucht niemand. Ein Motivationsschreiben zusätzlich zum Anschreiben verlangt bei Praktika kaum jemand. Ein Foto ist rechtlich nicht vorgeschrieben und wird bei technischen Stellen seltener erwartet als anderswo - schaden tut es meist nicht, entscheidend ist es nie.

Was in den Lebenslauf gehört

Der Lebenslauf für eine KI-Stelle unterscheidet sich in einem Punkt deutlich von anderen: Es gibt einen Abschnitt, der oft wichtiger ist als alles andere, und der heißt Projekte.

Darunter stehen drei bis fünf Dinge, die du selbst gebaut hast. Jedes mit einer Zeile Beschreibung, den verwendeten Werkzeugen und - wenn möglich - einem Link. Nicht "Machine Learning Projekt an der Uni", sondern: "Klassifikation von Netzwerkverkehr, 40.000 Datensätze, scikit-learn, Vergleich von drei Verfahren gegen eine Baseline".

Der Unterschied klingt klein und ist es nicht. Die erste Formulierung sagt: Ich habe eine Vorlesung besucht. Die zweite sagt: Ich weiß, was eine Baseline ist.

Darunter kommen die üblichen Blöcke - Studium mit Schwerpunkten und relevanten Modulen, Praktika und Werkstudententätigkeiten, Kenntnisse. Bei den Kenntnissen bitte ehrlich abstufen. "Python (sicher), PyTorch (Grundlagen), SQL (fortgeschritten)" ist deutlich besser als eine Wolke aus Schlagwörtern, die im Gespräch auseinanderfällt.

Was der Notenauszug soll

Viele unterschätzen ihn. In der ersten Sichtung ist er ein schnelles Signal, gerade bei Bewerbungen aus dem Ausland oder aus fachfremden Studiengängen. Es geht selten um den Schnitt und häufig darum, welche Module du belegt hast: Wer Statistik, lineare Algebra und Datenbanken gehört hat, hat es leichter als jemand mit derselben Note aus ganz anderen Fächern.

Wenn dein Schnitt nicht überzeugend ist, verstecke ihn nicht - aber sorge dafür, dass die Projekte lauter sprechen.

Ein Link auf dein GitHub-Profil ist eine Einladung, und die wird angenommen. Bevor du ihn setzt, sieh dir das Profil mit fremden Augen an.

Was einen guten Eindruck macht: zwei oder drei aufgeräumte Projekte mit einer verständlichen README, in der steht, worum es geht, wie man es startet und was dabei herauskam. Was einen schlechten Eindruck macht: fünfzehn halbfertige Übungsaufgaben aus Onlinekursen, alle mit derselben Standard-README.

Weniger ist hier tatsächlich mehr. Ein einziges, ordentlich dokumentiertes Projekt schlägt zehn Fragmente. Wenn dein Profil noch nicht so weit ist, verbringe einen Nachmittag damit, aufzuräumen und eine README zu schreiben - das ist die wirksamste Stunde deiner ganzen Bewerbung.

Reihenfolge und Format

Alles in eine PDF-Datei, in dieser Reihenfolge: Anschreiben, Lebenslauf, Notenauszug, gegebenenfalls Zeugnisse. Der Dateiname sollte dich nennen und nicht "Bewerbung_final_v3.pdf" heißen. Nachname_Vorname_Bewerbung_KI-Praktikum.pdf ist unspektakulär und genau richtig.

Größe: unter fünf Megabyte. Einige Bewerbungssysteme brechen bei größeren Dateien schlicht ab, ohne das zu melden.

Die häufigsten Aussortiergründe

Aus Gesprächen mit Fachbereichen kommen immer wieder dieselben Punkte:

Kein Zeitraum genannt. Wann kannst du anfangen, wie lange bleibst du? Wer das nicht schreibt, verursacht eine Rückfrage - und Rückfragen kosten Zeit, die nicht immer investiert wird.

Pflicht oder freiwillig nicht angegeben. Für viele Unternehmen ist das der wichtigste Unterschied, weil daran Vergütung und Sozialversicherung hängen. Ein Satz genügt: "Es handelt sich um ein Pflichtpraktikum gemäß Studienordnung, vorgeschrieben sind 18 Wochen."

Anschreiben ohne Bezug zur Stelle. Ein Text, der zu jeder Firma passt, passt zu keiner. Dazu unten mehr.

Kein einziges eigenes Projekt. Vorlesungen haben alle Bewerber gehört. Der Unterschied entsteht daneben.

Übertreibungen bei den Kenntnissen. Wer "Deep Learning" angibt und im Gespräch nicht erklären kann, was ein Gradient ist, verliert mehr, als ehrliche Grundlagen gekostet hätten.

Wann du dich bewerben solltest

Deutlich früher, als die meisten denken. Große Unternehmen schreiben Praktika oft vier bis sechs Monate im Voraus aus, manche noch früher. Wer im Wintersemester anfangen will, sucht im Frühjahr - nicht im September.

Bei kleineren Unternehmen und Start-ups ist der Vorlauf kürzer, oft sechs bis acht Wochen. Dafür ist dort die Chance auf eine Initiativbewerbung deutlich höher: Wo keine formale Ausschreibung läuft, entscheidet eine gute Mail manchmal in zwei Tagen.

Ein realistischer Zeitplan

Rechne mit drei Wochen von der ersten Idee bis zur ersten abgeschickten Bewerbung. Nicht, weil das Schreiben so lange dauert, sondern weil die Vorarbeit Zeit braucht: GitHub aufräumen, ein Projekt zu Ende bringen, den Lebenslauf so umbauen, dass die Projekte oben stehen.

Danach geht es schnell. Die Grundstruktur bleibt, angepasst wird das Anschreiben - und zwar wirklich, nicht nur im Firmennamen.

Das Wichtigste in einem Satz

Zeige, dass du etwas gebaut hast, sag klar, wann du kommst und für wie lange, und behaupte nichts, was du im Gespräch nicht halten kannst. Alles andere ist Formsache.

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